Bibliothek des Bundesgerichtshofs - Gesetzesmaterialien - Übersichtsseite - Letzte Bearb.: 02.09.2009

 

Gesetz zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3. März 2004 (akustische Wohnraumüberwachung)

 

- vom 24. Juni 2005, BGBl I, Nr. 39, S. 1841 -

 

Aus dem Referentenentwurf:

Mit seinem Urteil vom 3. März 2004 - 1 BvR 2378/98, 1 BvR 1084/99 - hat das Bundesverfassungsgericht die durch das Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes vom 26. März 1998 (BGBl. I S. 610) vorgenommene Schaffung einer verfassungsrechtlichen Grundlage für die akustische Wohnraumüberwachung zu repressiven Zwecken in Artikel 13 Abs. 3 GG grundsätzlich für verfassungsmäßig erklärt (Urteilsumdruck, Absatz Nr. 103). Im Hinblick auf die einfachgesetzliche Umsetzung des die akustische Wohnraumüberwachung betreffenden Verfassungsrechts in der Strafprozessordnung (StPO) kommt das Bundesverfassungsgericht hingegen zu dem Schluss, dass die einschlägigen Vorschriften der Strafprozessordnung den Vorgaben des Artikel 13 Abs. 3 GG nicht hinreichend Rechnung tragen (Absatz Nr. 157). Soweit die einschlägigen Vorschriften der Strafprozessordnung unvereinbar mit dem Grundgesetz sind, hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber aufgegeben, einen verfassungsgemäßen Rechtszustand bis spätestens zum 30. Juni 2005 herzustellen (Absatz Nr. 352).

 

Der Gesetzentwurf soll die Verfassungsmäßigkeit der einfachgesetzlichen Ausgestaltung der akustischen Wohnraumüberwachung in der Strafprozessordnung herbeiführen, um dieses Ermittlungsinstrument zur Gewährleistung einer effektiven Strafverfolgung zu erhalten. Die akustische Wohnraumüberwachung hat sich als unverzichtbar erwiesen, um die strafrechtliche Bekämpfung der organisierten Kriminalität, des Terrorismus und anderer besonders schwerer Formen von Kriminalität zu verbessern, insbesondere bei der Ermittlung und Überführung der Hauptverantwortlichen, der Organisatoren, der Finanziers und der Drahtzieher solcher Straftaten (vgl. BT-Drucks. 13/8651 S. 9 f.).

 

Pressemitteilung des BMJ vom 24.06.2004: Justizministerium legt Referentenentwurf zur akustischen Wohnraumüberwachung vor

Referentenentwurf

 

Pressemitteilung des BMJ vom 22.09.2004: Kabinett beschließt Gesetzentwurf zur akustischen Wohnraumüberwachung

Regierungsentwurf

 

Pressemitteilung des BMJ vom 01.11.2004: Studie zur Wohnraumüberwachung belegt vorbildliche Praxis und Unverzichtbarkeit dieser Maßnahme (Zusammenfassung des Gutachtens)

 

Aus: DIP - Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge

Titel: Gesetz zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3. März 2004 (akustische Wohnraumüberwachung)

 

Initiative: Regierungsvorlage

 

Zustimmungsbedürftig: Ja

 

Bezug: Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Umsetzung von Art. 3 GG in der Strafprozessordnung vom 3. März 2004 (1 BvR 2378/98, 1 BvR 1084/99)

 

Inhalt: Umfassende Neuregelung der akustischen Wohnraumüberwachung (§§ 100c ff. StPO) nach Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts: absoluter Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung, Stärkung des Richtervorbehalts, Datenschutzregelung, Benachrichtigungspflichten und Ermöglichung nachträglichen Rechtsschutzes, Regelung für Lichtbilder und Bildaufzeichnungen, Reduzierung des Katalogs der Anlassstraftaten auf besonders schwere Straftatbestände; Änderung §§ 74a und 120 Gerichtsverfassungsgesetz, § 59 IStGH-Gesetz sowie von § 14 Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz.

Es können Mehrkosten entstehen, die jedoch nicht bezifferbar sind.

 

Änderungen aufgrund der Ausschussempfehlung:

Aufnahme des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie in den Anlasstatenkatalog, Regelung der Löschung von Daten aus der Abhörung von Berufsgeheimnisträgern, Verwendung fehlerhaft erhobener Daten ausnahmsweise auch zur Gefahrenabwehr.

 

Änderungen durch das Vermittlungsverfahren:

Erweiterung des Katalogs der Anlasstaten für Wohnraumüberwachung um die gewerbs- oder bandenmäßige Fälschung von Zahlungskarten, Schecks und Wechseln; Änderung § 129 Strafgesetzbuch.

 

 

Ablauf des Vorgangs (BT = Bundestag; BR = Bundesrat):

 

BR - 

Gesetzentwurf Bundesregierung 24.09.2004 Drucksache 722/04

Zuweisung: Rechtsausschuss (federführend), Finanzausschuss, Innenausschuss

 

BR - 

Empfehlungen Rechtsausschuss (federführend); Finanzausschuss; Innenausschuss 25.10.2004 Drucksache 722/1/04

Rechtsausschuss, Innenausschuss: u.a. Änderungsvorschläge - Finanzausschuss: keine Einwendungen

 

1. Durchgang

 

BR - 

Plenarprotokoll 805 05.11.2004 S. 562A-B

Beschluss: S. 562B - Stellungnahme: u.a. Änderungsvorschläge - gemäß  Art. 76 Abs. 2 GG

 

BR - 

Stellungnahme Bundesrat 05.11.2004 Drucksache 722/04 (Beschluss)

 

BT - 

Gesetzentwurf Bundesregierung 15.12.2004 Drucksache 15/4533

Anlage: Stellungnahme Bundesrat und Gegenäußerung Bundesregierung

 

1. Beratung

 

BT - 

Plenarprotokoll 15/152 21.01.2005 S. 14291C-14298A

Redner:
Brigitte Zypries, Bundesminister Bundesministerium der Justiz S. 14291D-14292D; Daniela Raab, CDU/CSU S. 14292D-14294D; Jerzy Montag, Bündnis 90/Die Grünen S.14294D-14295D; Petra Pau, fraktionslos S.14295 D-14296B; Joachim Stünker, SPD S. 14296B-14297B; Rainer Funke, FDP S.14297B-D

Beschluss: S. 14298A - Überweisung: Rechtsausschuss (federführend), Innenausschuss

 

Stellungnahmen der Sachverständigen

 

Wortprotokoll Nr. 75 des Rechtsausschusses vom 16. März 2005

 

BT - 

Beschlussempfehlung und Bericht Rechtsausschuss 11.05.2005 Drucksache 15/5486

Aufnahme des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie in den Anlasstatenkatalog, Regelung der Löschung von Daten aus der Abhörung von Berufsgeheimnisträgern, Verwendung fehlerhaft erhobener Daten ausnahmsweise auch zur Gefahrenabwehr

Berichterstatter:
Joachim Stünker, SPD, Rechtsausschuss; Hermann Bachmaier, SPD, Rechtsausschuss; Olaf Scholz, SPD, Rechtsausschuss; Daniela Raab, CDU/CSU, Rechtsausschuss; Hans-Christian Ströbele, Bündnis 90/Die Grünen, Rechtsausschuss; Rainer Funke, FDP, Rechtsausschuss

 

BT - 

Änderungsantrag Wolfgang Bosbach, CDU/CSU; Dr. Jürgen Gehb, CDU/CSU; und andere; CDU/CSU 11.05.2005 Drucksache 15/5489

 

2. Beratung

 

BT - 

Plenarprotokoll 15/175 12.05.2005 S. 16446A-16460D

Redner:
Brigitte Zypries, Bundesminister Bundesministerium der Justiz S. 16446B-16447D; Daniela Raab, CDU/CSU S. 16447D-16449C; Hans-Christian Ströbele, Bündnis 90/Die Grünen S. 16449D-16451B, 16452D; Rainer Funke, FDP S.16451 B-16452C, 16452D-16453A; Hermann Bachmaier, SPD S. 16453A-16455A; Dr. Günter Krings, CDU/CSU S.16455 A-16457A; Petra Pau, fraktionslos S. 16457A-D; Frank Hofmann (Volkach), SPD S.16458 A-16459A; Norbert Geis, CDU/CSU S. 16459A-16460C

Zwischenfrage:
Joachim Stünker, SPD S. 16456C

Beschluss: S. 16460D - Annahme Drucksache 15/4533 idF Drucksache 15/5486; Ablehnung Drucksache 15/5489

 

3. Beratung

 

BT - 

Plenarprotokoll 15/175 12.05.2005 S. 16460D

Beschluss: S. 16460D - Annahme Drucksache 15/4533 idF Drucksache 15/5486

 

BR - 

Gesetzesbeschluss Deutscher Bundestag 13.05.2005 Drucksache 359/05

Zuweisung: Rechtsausschuss (federführend)

 

BR - 

Empfehlungen Rechtsausschuss (federführend) 19.05.2005 Drucksache 359/1/05

Anrufung des Vermittlungsausschusses

 

BR - 

Antrag Bayern; Hessen 25.05.2005 Drucksache 359/2/05

Anrufung des Vermittlungsausschusses

 

2. Durchgang

 

BR - 

Plenarprotokoll 811 27.05.2005 S. 203B-C, 224C-226B/Anl

protokollierte Rede:
Dr. Beate Merk, Staatsminister der Justiz Bayern S.224C-225A/Anl; Alfred Hartenbach, Parlamentarischer Staatssekretär Bundesministerium der Justiz S.225A-226B/Anl

Beschluss: S. 203C - Anrufung des Vermittlungsausschusses - gemäß  Art. 77 Abs. 2 GG

 

BR - 

Anrufung des Vermittlungsausschusses Bundesrat 27.05.2005 Drucksache 359/05 (Beschluss)

 

BT - 

Unterrichtung Bundesrat 02.06.2005 Drucksache 15/5621

Anrufung des Vermittlungsausschusses durch den Bundesrat

 

BT - 

Beschlussempfehlung Vermittlungsausschuss 15.06.2005 Drucksache 15/5737

Erweiterung des Katalogs der Anlasstaten für akustische Wohnraumüberwachung um die gewerbs- oder bandenmäßige Fälschung von Zahlungskarten, Schecks und Wechseln; Änderung § 129 Strafgesetzbuch

Berichterstatter:
Dr. Norbert Röttgen, CDU/CSU, Vermittlungsausschuss

 

Vermittlungsverfahren

 

BT - 

Plenarprotokoll 15/181 16.06.2005 S. 17108C, 17109A-B

Beschluss: S. 17109B - Annahme Drucksache 15/5737

 

BR - 

Beschluss Deutscher Bundestag 16.06.2005 Drucksache 499/05

 

BR - 

Plenarprotokoll 812 17.06.2005 S. 240C-241A

Berichterstatter:
Geert Mackenroth, Staatsminister der Justiz Sachsen, Vermittlungsausschuss S. 240C-241A

Beschluss: S. 241A - Zustimmung - gemäß  Art. 84 Abs. 1 GG

 

BR - 

Beschluss Bundesrat 17.06.2005 Drucksache 499/05 (Beschluss)

 

Bundesregierung - Gesetz vom 24.06.2005 -  Bundesgesetzblatt Teil I 2005 Nr.39 30.06.2005 S. 1841

 

Inkrafttreten:

01.07.2005

 

 

Außerparlamentarische Vorgänge:

Stellungnahme des Deutschen Steuerberaterverbandes vom 21. Juli 2004 zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 3. März 2004 (akustische Wohnraumüberwachung) – Stand: 23. Juni 2004

 

Stellungnahme des Berufsverbandes der Freien Berufe vom 23.07.2004 zum Referentenentwurf Akustische Wohnraumüberwachung

 

Rechtswirklichkeit und Effizienz der akustischen Wohnraumüberwachung („großer Lauschangriff“) nach § 100c Abs. 1 Nr. 3 StPO : eine rechtstatsächliche Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz / Hannes Meyer-Wieck. Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, Freiburg vom Oktober 2004